Gedenkveranstaltungen für das NS-Opfer Hans Müller – am 10. April

Sehr herzlich lade ich am Sonntag, den 10. April, um 15 Uhr, gemeinsam mit dem KulturWerk, dem Kulturverein, dem Verein Stadtteilzentrum, der Stadtteilschule Oldenfelde und weiteren Engagierten zu einer Gedenkstunde am neu verlegten Stolperstein für das NS-Opfer Hans Müller ein. Die Veranstaltung findet statt am ehemaligen Schießplatz Höltigbaum (Neuer Höltigbaum/ Ecke Sieker Landstraße). Mit dabei sind auch Schüler:innen der Stadtteilschule Oldenfelde, die in einem Schulprojekt das Leben Hans Müllers erforscht haben.
Als Patin des Stolpersteins werde ich hier zum Gedenken an Hans Müller sprechen. Zudem werden zwei Schüler:innen der Stadtteilschule Oldenfelde aus dem Leben Hans Müllers erzählen. Musikalisch wird die Veranstaltung begleitet von Helmut Stuarnig, Hamburger Symphoniker i.R..
Vom 4. bis zum 23. April wird zudem eine Plakat-Ausstellung zum Schicksal Hans Müllers im KulturWerk Rahlstedt, Boizenburger Weg 7, gezeigt werden. Hier wird auch die Geschichte des Schießplatzes Höltigbaum und der Hamburger Wehrmachtjustiz beleuchtet werden. Die Ausstellung wurde von Schüler:innen der Stadtteilschule Oldenfelde unter der Leitung des Geschichtslehrers Jörn Nissen erarbeitet.
Für den 23. April, um 15 Uhr, ist darüber hinaus eine Gedenkveranstaltung mit Podiumsgespräch in der Stadtteilschule Oldenfelde, Delingsdorfer Weg 6, geplant. Nach einem Grußwort des Schulleiters der Stadtteilschule Oldenfelde, Martin Homp, werden Schülerinnen und Schüler hier aus dem Leben Hans Müllers berichten und mit Wolfgang Kopitzsch, Bundes- und Landesvorsitzender des Arbeitskreises ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten (AvS), ins Gespräch kommen. In einem Schulprojekt haben die Schüler:innen unter der Leitung des Geschichtslehrers Jörn Nissen in den vergangenen Monaten zum Schicksal Hans Müllers und seiner Familie, zum Strafbestand „Zersetzung der Wehrkraft“ und zum ehemaligen Schießplatz Höltigbaum geforscht. Ich werde die Veranstaltung moderieren.
Informationen zu beiden Terminen finden Sie auch kompakt hier im Flyer.
 
Der Hamburger Hans Müller war 1942 mit nur 22 Jahren am ehemaligen Schießplatz Höltigbaum als „Wehrkraftzersetzer“ erschossen worden. Er ist eines von mehr als 300 Opfern, die hier zwischen 1940 und 1945 hingerichtet wurden. Zu seiner Erinnerung wurde im März dieses Jahres ein Stolperstein verlegt.
 
Eine Anmeldung zu der Veranstaltung ist nicht erforderlich. Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an mein Bürgerbüro: buergerbuero@astrid-hennies.de.
 
Zum Hintergrund:
Hans Müller wurde 1920 in Hamburg geboren, sein Stiefvater stand als Angestellter der Baugewerkschaft vermutlich der SPD nahe. Zunächst arbeitete Hans Müller als Artist im Circus Krone, später als Kraftfahrer für das Universitätsklinikum Eppendorf. Seit seiner Einberufung in die Wehrmacht 1940 wurde er als Funker eingesetzt. Im Februar 1942 wurde Hans Müller vom Kriegsgericht wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt und am 6. März 1942 am Schießplatz Höltigbaum erschossen. Hans Müller war mit Margot Müller (geborene Sietz) verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder: Hannelore (geboren 1940) und Peter (geboren 1941).
Am Höltigbaum befand sich in der Zeit des Nationalsozialismus ein Truppenübungsplatz mit Schießständen. In den letzten Jahren des zweiten Weltkriegs wurden hier mindestens 330 Wehrmachstangehörige sowie Kriegsgefangene erschossen. Seit 2003 erinnert in der Straße Neuer Höltigbaum/ Ecke Sieker Landstraße eine Gedenktafel an die Opfer. 2015 wurde zudem einige Meter entfernt eine Informationsstele aufgestellt. Auf Antrag der Fraktionen von SPD und Grünen hat der Regionalausschuss Rahlstedt aktuell beschlossen, dass der Erinnerungsplatz zeitgemäß gestaltet und für die breite Öffentlichkeit sichtbarer gemacht werden soll.

2 Antworten

  1. Liebe Astrid,
    was genau ist passiert, womit Hans Müller Wehrkraftzersetzung begangen haben soll? Welchen Dienstgrad hatte Hans Müller. Bei welcher Teilstreitkraft (Heer, Marine, Luftwaffe) war Hans Müller?
    Das alles „Wichtiges“ geht hier aus nichts tatsächlich hervor.
    1940 Einberufen und als Militärfunker tätig
    1942 Februar Todesurteil März Hinrichtung
    Existiert (noch) eine Anklageschrift / ein Todeaurteil, aus denen konkrete Einzelheiten, Tatvorwürfe, Beweismittel hervorgehen – zB. Tatzeit, Tatort, Tathergang.
    Grüße Susan

    1. Liebe Susan, wir haben im Staatsarchiv die Akte lesen können. Dort konnten wir entnehmen, auf welcher Grundlage das Todesurteil erfolgte. Ihm wurde die „Selbstzerstümmelung“ vorgeworfen. U.a. liegt uns auch das Schreiben des Rechtsanwaltes vor, mit dem der Anwalt der Familie die Erschießung am gleichen Tage mitgeteilt hatte. Die Familie konnte dann nur noch bestimmen, was mit seinem Leichnam passieren sollte. Beste Grüße, Astrid Hennies

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