NS-Opfer am Höltigbaum – Podiumsgespräch am 23. April

Im März 1942 wurde der Hamburger Hans Müller als „Wehrkraftzersetz“ am ehemaligen Schießplatz Höltigbaum erschossen. Er ist eines von mehr als 330 Opfern, die hier von 1940 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges durch Erschießungskommandos hingerichtet wurden.  Im März dieses Jahres wurde ein Stolperstein für Hans Müller gesetzt, für den ich die Patenschaft übernommen habe.

Um an Hans Müller und an das Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern, die am Höltigbaum erschossen wurden, lade ich gemeinsam mit dem KulturWerk Rahlstedt, dem Rahlstedter Kulturverein, dem Verein Stadtteilzentrum Rahlstedt, der Stadtteilschule Oldenfelde und weiteren Engagierten am Sonnabend, den 23. April, um 15 Uhr, zu einer Gedenkveranstaltung mit Podiumsgespräch in die Stadtteilschule Oldenfelde, Delingsdorfer Weg 6, ein.

Nach einem Grußwort des Schulleiters der Stadtteilschule Oldenfelde, Martin Homp, werden Schülerinnen und Schüler aus dem Leben Hans Müllers berichten und mit Wolfgang Kopitzsch, Bundes- und Landesvorsitzender des Arbeitskreises ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten (AvS), ins Gespräch kommen. In einem Schulprojekt haben die Schüler:innen unter der Leitung des Geschichtslehrers Jörn Nissen in den vergangenen Monaten zum Schicksal Hans Müllers und seiner Familie, zum Strafbestand „Zersetzung der Wehrkraft“ und zum ehemaligen Schießplatz Höltigbaum geforscht. Moderiert wird die Veranstaltung von Astrid Hennies.

Noch bis zum 23. April ist zudem eine Plakat-Ausstellung zum Schicksal Hans Müllers im KulturWerk Rahlstedt, Boizenburger Weg 7, zu sehen. Hier wird auch die Geschichte des Schießplatzes Höltigbaum und der Hamburger Wehrmachtjustiz beleuchtet. Die Ausstellung wurde ebenfalls von den Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Oldenfelde erarbeitet.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an mein Büro unter buergerbuero@astrid-hennies.de.

 

Zum Hintergrund:

Hans Müller wurde 1920 in Hamburg geboren, sein Stiefvater stand als Angestellter der Baugewerkschaft vermutlich der SPD nahe. Zunächst arbeitete Hans Müller als Artist im Circus Krone, später als Kraftfahrer für das Universitätsklinikum Eppendorf. Seit seiner Einberufung in die Wehrmacht 1940 wurde er als Funker eingesetzt. Im Februar 1942 wurde Hans Müller vom Kriegsgericht wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt und am 6. März 1942 am Schießplatz Höltigbaum erschossen. Hans Müller war mit Margot Müller (geborene Sietz) verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder: Hannelore (geboren 1940) und Peter (geboren 1941).

Am Höltigbaum befand sich in der Zeit des Nationalsozialismus ein Truppenübungsplatz mit Schießständen. In den letzten Jahren des zweiten Weltkriegs wurden hier mindestens 330 Wehrmachstangehörige sowie Kriegsgefangene erschossen. Seit 2003 erinnert in der Straße Neuer Höltigbaum/ Ecke Sieker Landstraße eine Gedenktafel an die Opfer. 2015 wurde zudem einige Meter entfernt eine Informationsstele aufgestellt. Auf Antrag der Fraktionen von SPD und Grünen hat der Regionalausschuss Rahlstedt aktuell beschlossen, dass der Erinnerungsplatz zeitgemäß gestaltet und für die breite Öffentlichkeit sichtbarer gemacht werden soll.