Norddeutschland gibt beim Wasserstoffausbau die Richtung vor

Im Rahmen der Aktuellen Stunde diskutiert die Hamburgische Bürgerschaft heute auf Anmeldung der SPD-Bürgerschaftsfraktion unter dem Titel „Der Norden gibt die Richtung vor: Norddeutsche Wasserstoffstrategie legt Grundstein für erfolgreiche Dekarbonisierung der Industrie“ die Anstrengungen der norddeutschen Bundesländer beim Ausbau der Wasserstoffversorgung. Die Nordländer Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein hatten am 7. November eine gemeinsame Norddeutsche Wasserstoffstrategie vorgelegt. Diese sieht vor bis zum Jahr 2035 eine umwelt- und klimafreundliche Wasserstoffwirtschaft aufzubauen. Dazu sollen bis zum Jahr 2025 mindestens 500 Megawatt und bis 2030 mindestens fünf Gigawatt Elektrolyseleistung zur Erzeugung von umweltfreundlichem Wasserstoff zur Verfügung stehen.

Dazu Dirk Kienscherf, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Mit der norddeutschen Wasserstoffstrategie bringt der Norden gemeinsam die Energiewende und Klimaschutz aktiv voran. Norddeutschland will und kann hier Impulsgeber für die neue Schlüsseltechnologie sein. Unser Ziel ist es, fossile Energieträger im Rahmen von Sektorenkopplung im Bereich von Mobilität, Industrie und Wärme zu ersetzen und damit den CO2-Ausstroß um viele hunderttausend Tonnen im Jahr zu reduzieren. Im Hamburger Hafen soll in den nächsten Jahren eine der größten Anlagen zur Erzeugung von Wasserstoff entstehen. Als größter deutscher Industriestandort schafft Hamburg so den Sprung zu einer klimafreundlichen Energieversorgung für Wirtschaft und Verkehr. Durch den Einsatz von Wasserstoff und neue klimafreundliche Produktionsprozesse können Unternehmen und bestehende gute Arbeitsplätze gesichert sowie neue Beschäftigung durch eine neue Wasserstoffindustrie entstehen. Es ist gut, das Hamburgs Bürgermeister diesen Strukturwandel auch durch das Bündnis für die Industrie aktiv begleiten will und somit die Themen Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung zusammen führt. Bundeswirtschaftsminister Altmaier muss nun endlich seine Blockadehaltung beim Ausbau der Windkraft aufgeben und Rahmenbedingungen schaffen, in denen regenerative Energien zusammen mit Wasserstoff zu einer sauberen Energielösung der Zukunft werden kann. Der Norden wird hier seiner Verantwortung gerecht, der Bund muss jetzt folgen.“

Dazu Monika Schaal, energiepolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Norddeutschland hat den Standort, die Infrastruktur und die wirtschaftliche Expertise, um eine umfassende Wasserstoffwirtschaft aufzubauen und ihr zum Durchbruch zu verhelfen. Wasserstoff wird heute schon in vielen Industriezweigen verwendet, etwa in der Chemie- und Elektroindustrie. Dabei wird der verwendete Wasserstoff meist mithilfe fossiler Brennstoffe erzeugt. Wir wollen dagegen mit regenerativer Energie wie Windkraft ,grünen‘ Wasserstoff herstellen und so die CO2-Last Hamburgs deutlich senken. Dafür bietet Hamburg mit seinem hohen Energiebedarf großes Potential. So bringen wir den Klimaschutz wirklich voran, schaffen einen neuen Industriezweig und sorgen für Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen mit grünem Wachstum.“

Hintergrund
Wasserstoff lässt sich mit Hilfe von Strom aus Wasser produzieren und anschließend emissionsfrei nutzen. Werden zur Gewinnung des Wasserstoffs erneuerbare Energien wie Windstrom eingesetzt, spricht man von „grünem“ Wasserstoff. Dieser kann als Speichermedium für Strom oder auch in direkter Nutzung beispielsweise im Bereich der Mobilität, von industriellen Prozessen oder im Gebäudebereich ein zentraler Baustein auf dem Weg in eine klimafreundliche Zukunft sein. Hamburg fördert bereits seit längerer Zeit die Wasserstofftechnologie. Dazu gehören unter anderem Busse, die mit Wasserstoff-Brennstoffzellen betrieben werden, oder auch erste Umrüstungsmaßnahmen des Hamburger Gasnetzes, damit der Anteil an grünem Wasserstoff kontinuierlich gesteigert werden kann. Fortgeschritten sind außerdem die Planungen, im Hamburger Hafen die weltweit größte Anlage für Wasserstoff-Elektrolyse mit einer Leistung von 100 Megawatt zu bauen.